1909
Polizei erläßt 12
Vorschriften zur Regelung
des Fußgängerverkehrs
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Am 9. April berichtete der Chronist über die von der Polizei veröffentlichten Fußgänger-Vorschriften:

„Es ist neuerdings zu beachten:

1. Man bleibe auf dem Trottoir.
2. Man gehe stets rechts.
3. Man weiche sich gegenseitig nach rechts aus.
4. Langsam gehende, namentlich gebrechliche Personen sollen möglichst an der äußersten rechten Seite des Trottoirs gehen, damit rasch gehende Personen [...] von links ohne Störung vorgehen können.
5. Wer richtig geht, darf einer falsch gehenden Person aus keinem Grunde, also auch nicht aus falsch verstandener Zuvorkommenheit unrichtig ausweichen.
6. Wer in ein Haus oder ein Geschäft gehen oder zu einem Schaufenster treten will, die zu seiner linken Hand liegen, soll erst in der Höhe des Eingangs bzw. des Fensters angekommen nach links abbiegen.
7. Wer aus einem Hause, einem Laden kommt oder von einem Schaufenster wegtritt, soll sich sofort auf die richtige Trottoirseite begeben. [...]
8. Wer aus einem Haus, einem Laden heraustritt, soll nach links sehen, damit er nicht mit den richtig gehenden Passanten zusammenstößt.
9. Beim Einbiegen in eine Straße nach links hat auch der Fußgänger den weiten Bogen zu gehen.
10. Auch wer keinen Hut auf hat oder sich nicht in Straßentoilette glaubt, hat dadurch nicht das Recht, sich an den Hausmauern entlang zu drücken, wenn diese zu seiner linken Hand liegen.
11. Auf den Trottoirs darf man, auch nicht vor einem Anschlag oder vor einer Auslage, in einer den übrigen Fußgängerverkehr störenden Weise stehen bleiben; auch für die Damen gibt es keine Ausnahme.
12. Man übe gegen Personen, die sich an diese Regeln nicht halten, keine Rücksicht; man bleibe lieber angesichts einer solchen Person so lange stehen, bis sie sich auf die Anbequemung an die Regeln besinnt. Für das nächste Mal wird ihr das zur Lehre dienen."

Quelle: Münchner Stadtarchiv
Simpicissimus 50/1909